Die staatliche Kunsthalle in Karlsruhe zeigt ein Bild des Niederländers Joos van Craesbeek, das den Titel „Die Versuchung des heiligen Antonius“ trägt. Das Werk zeigt im Hintergrund, was seit dem 16. Jahrhundert in den Niederlanden und in Norddeutschland häufig anzufinden war : Irdene, sogenannte Starentöpfe mit einem Entnahmeloch für die wohlschmeckenden Jungvögel. Diese ersten „Nisthilfen“ wurden auf der Rückseite von Hauswänden oder an Bäumen aufgehängt.

Dem Zeitgeist des 18. Jahrhunderts entsprechend wurden die Vögel in der deutschen Ausgabe von Buffons „Naturgeschichte der Vögel“ noch immer als Ernteschädlinge und als Fleischlieferanten für den Mittagstisch dargestellt. Eine Bebilderung zeigt, wie Fregattvögel mit Knüppeln erschlagen werden, während diese Basstölpeln die gefangenen Fische abjagen.

Nicht zuletzt haben die alarmierenden Berichte über das Artensterben unser heutiges Verhältnis zu freilebenden Vögeln grundlegend verändert. Nicht mehr Nahrungserwerb für den Menschen, nicht mehr Fang oder Abschuss sind vordringliche Anliegen, sondern die Erhaltung und mögliche Förderung der natürlichen Vielgestaltigkeit und Artenvielfalt, und zwar bei uns sowie weltweit. Diese Einsicht ist für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung in den Vordergrund gerückt. Deshalb erscheint dem naturliebenden Bürger der nach wie vor betriebene Vogelmord an der Levante des Mittelmeeres und darüber hinaus unverständlich, zumal diese Menschen doch die politische Einheit in Europa mit für alle gleich geltenden Gesetzen gewählt haben.

Vogelschutz wird in unseren Breiten vom einzelnen Bürger zunächst durch eine ganzjährige Fütterung und durch die Bereitstellung von Nistkästen verstanden. Der Spätherbst ist die günstigste Zeit, um festzustellen, was alles im Kasten gebrütet hat, wenn man es nicht zum Beispiel im eigenen Garten bereits beobachten konnte. Aber Vorsicht: Eine Reinigung sollte aber nur dann erfolgen, wenn keine Nachmieter wie Hummeln, Nager oder Fledermäuse anwesend sind.

 

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Reinigung und Beseitigung von Parasiten in Nistkästen. Fotos: Dirk Schümann

In dieser besagten Jahreszeit sollte man die Kästen säubern, und in der Regel reicht dazu eine einfache mechanische Reinigung. Das alte Nest braucht nur entfernt zu werden. Bei einer stärkeren Verschmutzung kann man den Kasten mit einer Bürste ausschrubben. Ein Einweichen in einer manchmal empfohlenen Sodalauge oder die Anwendung von Desinfektionsmitteln oder gar Insektiziden ist in der Regel schädlich und überflüssig. Wenn man dagegen eine Zeitungsseite brennend in den Kasten schiebt und kontrolliert abbrennen lässt, sind Parasiten und spätere Quälgeister der Vögel weitgehend eliminiert, was für einen optimalen Schlafplatz im Winter und die neue Brut im Frühjahr ausreicht.

Der Spätherbst wäre auch die Zeit, die Plazierung des Nistkastens und ein eventuelles Umhängen zu überdenken, zumal wenn er in der Saison nicht von einem Höhlenbrüter angenommen worden ist. Auch wenn in der Natur nicht alle Astlöcher und Mauernischen eine optimale Ausrichtung für das Brutvogelpaar abgeben, so sollten wir mit unseren künstlichen Hilfen versuchen, erkennbar optimale Grundbedingungen zu schaffen – Ausrichtung entgegen der Wetterseite, zeitweise erwartete Beschattung durch Laub, dennoch freie Anflugmöglichkeit und leichte frontale Neigung wegen der Abtropfmöglichkeit von Feuchtigkeit.

Nistkästen sind übrigens auch gefragte „Mitbringsel“ und erschwingliche Geschenke bei vielen Anlässen. Fragen um das Thema Nistkästen beantwortet die Vogelschutzgruppe Eutin – Bad Malente e. V. ( VSG ).

Die VSG-Geschäftsstelle erreicht man über 04521 – 4143 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Und wenn im kommenden Jahr der freundliche Nachbar fragt, ob Sie eine Meise haben, dann sollte man diese Frage getrost bestätigen können.

Holger Jürgensen

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