Schwarzspechte verfüttern 200.000 Insekten an ihre Brut. Zählt man den Wendehals mit zu den Spechten, kennen wir in Europa zehn unterschiedliche Vogelarten dieser gefiederten Gruppe, wovon der Schwarzspecht der größte ist. Der aufmerksame Beobachter meint auf den ersten Blick einen Krähenvogel zu beobachten, der zwischen dem Dorf- und Waldrand wechselt – leicht wellenförmig fliegend. Nur durch den spechttypischen Flug kommt das „Aha-Erlebnis“ - kurze Gleitphasen wechseln sich mit aufwärts treibenden Flügelschlägen ab.

Schwarzspechte sind ausgesprochene Hackspechte, die ihre Schlaf- und Nisthöhlen gerne in achtzig- bis hundertjährigen Buchen oder Kiefern anlegen. Mit dem trommelnden Schnabel markieren sie aber auch ihr Revier, was in der Regel über zwei Kilometer weit zu hören ist. Das Trommeln dient dem Partner ebenfalls als Zeigen der Höhle sowie der sexuellen Stimulation. Andererseits dient der Schnabel mit der widerhakenbesetzten Zunge dem erfolgreichen Eindringen in die Großnester der ( Wald- ) Ameise.

Knapp krähengroß trägt der Schwarzspecht entsprechend seinem Namen ein einfarbig schwarzes Gefieder; das Männchen besitzt zusätzlich einem roten Scheitel, während das Weibchen mit einem kleineren Scheitelfleck der gleichen Farbe auskommen muss. Diese Unterschiede sind sogar schon im Nestlingsalter zu erkennen; eine so frühe Differenzierung der Geschlechter ist in der Vogelwelt ansonsten nicht üblich. Auffallend wie bei allen Spechtarten ist der kräftige Stützschwanz, mit dessen Hilfe seine Kletterarbeit erst möglich wird, was im Eutiner Seescharwald mit etwas Glück zu beobachten ist.    Vogelkunde - Spechte

Vogelkunde - Spechte

In der Regel wird der Spaziergänger zunächst durch den weit schallenden, gellenden Ruf des Schwarzspechtes ( „Kliöh“ ) oder durch die instrumentalen Signale des Tommelns auf den Vogel aufmerksam. Interessant ist, dass das Weibchen etwas langsamer klopft, was offenbar dem persönlichen Erkennen dient. Ein Brutpaar – so liest man in Monografien der Spechte - benötigt 300 bis 400 Hektar Wald als Revier, und vorherrschen sollten Buchenareale und Totholzvorkommen. Schon im Januar beginnen die „winterharten“ Standvögel ihre Balzaktivitäten, und sie schreiten dann im März und April zur Brut, wenn eine alte Höhlung gereinigt oder eine neue, die die Vögel frei anfliegen können, geschlagen worden ist. Der von beiden Partnern gemeinsam betriebene Bau ihrer Bruthöhle in einen Buchenstamm dauert wegen der Härte des Holzes immerhin drei bis vier Wochen, in Weichhölzern kommen die Vögel mit der Hälfte der Zeit aus.

Die drei bis fünf Eier der Schwarzspechte benötigen in der dunklen Höhle keine Tarnung, und sie sind deshalb weiß. In Frankreich hat man die Zusammensetzung der Nestlingsnahrung durch die Halsringmethode, mit der das Verschlingen der Beute verhindert wurde, untersucht und hat über 25.000 unterschiedliche Beutetiere – meist Ameisen und Borkenkäfer – gefunden. Über seine Hack- und Zungenarbeit sowie mit Hilfe eines Speicheldrüsensekrets nehmen Schwarzspechte rinden- und holzbewohnende Insekten auf.

Die Fütterung von zwei- bis dreiwöchigen Jungen haben französische Ornithologen untersucht und sind dabei auf einen täglichen Nahrungsbedarf von 60 bis 70 Gramm Arthropoden ( Gliederfüßler ) gestoßen. Bis zum Ausfliegen der Nestlinge würden demnach die Spechteltern zwischen 150 – 225.000 Insekten etc. an die Brut verfüttern müssen – eine enorme Leistung, die als biologische Schädlingsbekämpfung bezeichnet werden kann.

Auch wenn Förster die in acht bis fünfzehn Metern geschlagene Höhlen des Schwarzspechtes wegen des Verlustes an Nutzholz und der Gefahr des Windbruches nicht immer gerne sehen, kommen diese Höhlen doch oft auch einem „Nachmieter“ sehr gelegen. Gerne nutzen Vögel wie der Raufußkauz, die Dohle und die Hohltaube die Spechthinterlassenschaft; aber auch Fledermäuse, Kleinnager und soziale Insekten wie Hornissen, Bienen und Wespen sind Nutznießer dieser Vorarbeit – der „Zimmermann des Waldes“ sorgt damit auch für weitere, offenbar optimale Brutmöglichkeiten in unseren sonst oft „aufgeräumten“ Wäldern.

Holger Jürgensen