Andere Arten fliegen des Abends sehr weit und scharen sich oft in riesigen Zahlen zusammen, die zumindest den Schutz vor Feinden in der Gemeinschaft suchen und finden.Saatkrähen legen an einem Tag auf ihrer Strecke vom und zum Schlafplatz regelmäßig zwischen zehn und fünfzehn Kilometer zurück. Stare streichen noch weiter, manchmal bis zu 45 km weit.

Solange sich der Schlafplatz als sicher und geschützt erweist, geben die Vögel ihn nur widerstrebend auf, und meistens ziehen sie nur infolge schwerer Störungen oder Schwankungen im Nahrungsangebot fort.

Der Wärmeverlust in der Nacht ist ein Hauptproblem für alle Geschöpfe. Ein einzelner, vielleicht sogar noch kleiner Vogel, kann auf einem Schlafplatz an einer ungeschützten Stelle in einer besonders kalten Nacht erfrieren – durch den Verlust an nicht ersetzbarer Wärme fällt er ins Koma, aus dem er möglicherweise nicht wieder aufwacht. Um zu überleben, muss jeder Vogel seine Körpertemperatur konstant halten – auf 38 bis 42°C. Die Jungen des Mauerseglers können allerdings in einem Starrezustand vorübergehende Temperaturstürze überleben; dabei verlangsamen sich ihre Körperfunktionen. Für die meisten Vogelarten ist der Tag eine einzige lange Mahlzeit, die nur durch notwendige Dinge wie zum Beispiel Putzen und Revierverteidigung unterbrochen werden. Wenn die Nacht hereinbricht, müssen sie von der Wärme zehren, die sie durch die tagsüber aufgenommene Nahrung gespeichert haben. Wenn sie schlafen, plustern sie ihre Federn auf und bilden auf diese Weise eine verstärkte Isolierschicht.

Zaunkönig im SchwalbennestUnsere Meisen nächtigen in Höhlen von Bäumen, Gebäuden oder gerne in ( im Herbst gereinigten ) Nistkästen, um Zugluft zu vermeiden und den Wärmeentzug aus dem Körper herabzusetzen. Kleinvögel drängen sich bis zu zehn auf einmal auf engem Raum zusammen und „kuscheln“ sich aneinander, um warm zu blieben. Baumläufer, die man am Tage nur einzeln beobachten kann, bilden in kalten Nächten einen wahren „Schlafknäuel“ aus vielen Tieren, der sich hinter einer rissigen Borke eines Baumes oder in einem Nistkasten bildet. Man hat auch schon beobachtet, dass sich bis zu 80 Mauersegler an der Seite eines Hauses festklammerten – vermutlich aus dem gleichen Grund. Auch Wachteln scharen sich auf Schlafsitzen zusammen, wobei ihre Köpfe nach außen gerichtet sind, um schnell auffliegen zu können, wenn Gefahr droht. Das Schneehuhn gräbt ein Schlafloch im Schnee, worin sich – wie beim Iglu der Eskimos – die Wärme hält, weil Eis und Schnee schlechte Wärmeleiter sind.

Am umfangreichsten sind Vogelscharen im Winter. Winterschlafplätze von Staren werden in England, besonders durch den Zuzug von Jungvögeln und Zugvögeln – auch aus Schleswig-Holstein – im allgemeinen von Hunderttausenden aufgesucht, und aus der entsprechenden Literatur geht hervor, dass ein bis zwei dieser Schlafplätze auf den Britischen Inseln mehr als eine Million Stare umfassen können. Selbst solche Zahlen werden noch in den Schatten gestellt durch einen Vergleich mit der Bergfinkenschar, die im Winter von 1950 / 51 zwei kleine Kiefernwälder in der Nähe der Stadt Thun in der Schweiz füllte. Ihre Zahl wurde auf mehr als 70 Millionen geschätzt – etwa zwölfmal soviel wie ihr Gastland Schweiz Einwohner hat. Aber auch in Schleswig-Holstein gab es in den 70-er Jahren eine Invasion dieser Vogelart in ähnlichem Ausmaß, wo sich der überwältigte Beobachter bei Tralau / Bad Oldesloe Millionen Vögel dieser Art gegenüber sah.

Holger Jürgensen