Die Federn unserer Vögel halten nicht ewig, noch sind sie unverwüstlich. Obwohl sie in der Mauser regelmäßig erneuert werden, ist ein wirksames, ganzjähriges System der Gefiederpflege für das Wohlbehagen und Überleben des Vogels unentbehrlich.

Zwei Gruppen von Federn erfordern besondere Aufmerksamkeit: Die Schwingen und die Steuerfedern. Werden die Hand- und Armschwingen beschädigt oder übermäßig abgenutzt, sind sie aerodynamisch nicht mehr so leistungsfähig. Dadurch wird die Kraft und Ausdauer der Vögel überfordert, und es gelingt ihnen nicht mehr so gut, genügend Nahrung zu finden und dem Angriff ihrer Feinde zu entgehen - des Vogels Überlebenschancen sinken ganz erheblich. So überrascht es nicht, dass Vögel nicht nur, wenn sie „große Toilette“ machen, sondern bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihr Gefieder pflegen.

Beim Putzen, der wichtigsten Form der Gefiederpflege, bearbeitet der Vogel seine Federn vor allem mit seinem Schnabel, und zwar auf zweierlei Weise. Bei aufgeplusterten Körperfedern beknabbert er die einzelne Feder mit der Schnabelspitze. Er beginnt an der Kielbasis und arbeitet sich bis zur Spitze durch. Außerdem zieht er die Federn, eine nach der anderen, mit einem einzigen schnellen Ruck des Kopfes durch den Schnabel, insbesondere die schwer oder unbequem erreichbaren Flügel- und Schwanzfedern, die besonderer Pflege bedürfen.

Gefiederpflege - Amsel

Das Putzen des Gefieders hat auch das Ziel, Fremdkörper zu entfernen, bei Wasservögeln die Federn mit dem Sekret aus der Bürzeldrüse – die oberhalb des Schwanzes liegt – einzuölen sowie durcheinander geratene und aufgerissene Federfahnen zu ordnen bzw. zu reparieren. Ganz wichtig ist auch die Entfernung von Gefiederparasiten, besonders der Federlinge und -milben, was einen lebenswichtigen Vorgang bedeutet. Kranke Vögel oder solche mit missgebildeten, beschädigten Schnäbeln, die nicht mehr recht zum Putzen taugen, weisen oft eine anomal große Menge an Parasiten auf, die ihnen die Federn auffressen und ihre Gesundheit beeinträchtigen. So kann ein einziger, gesundheitlich abgekommener Vogel von über 200 Federmilben gequält werden.

Unsere Gefiederten sind verschiedenen Körperparasiten ausgesetzt, zu denen Blut saugende Flöhe und Lausfliegen, die bereits erwähnten Federn fressenden Federlinge sowie Zecken und Milben zählen. Soweit bekannt, ist keiner dieser Parasiten dem Menschen, der mit Vögeln umgeht oder sie anfasst, schädlich; aus eigener Erfahrung rät der Schreiberling jedoch, anlässlich der Herbstreinigung von Nistkästen Handschuhe zu tragen sowie gegen verbliebene Quälgeister einen Zeitungsteil zur Vertreibung der verbliebenen Insekten im Kasten unter Aufsicht zu verbrennen.

Da sich ein Vogel nicht das Kopfgefieder mit dem eigenen Schnabel putzen kann, muss er sich mit den Zehen kratzen, während er auf dem anderen Bein das Gleichgewicht hält. Diese Methode scheint den meisten Vogelarten zu genügen, um die dort befindlichen Federn in Ordnung zu halten. Einige wenige Vögel wie Kormorane, Basstölpel und Reiherarten besitzen eine sogenannte Putzkralle, die eine Art Kamm auf dem inneren Krallenrand der dritten Zehe darstellt, mit der sie sich am Kopf und am Hals kratzen können.

Am vollständigsten putzen sich unsere Vögel anlässlich ihrer „großen Toilette“, die mit einem Bad beginnt. Abgesehen vom Säubern scheint der Hauptzweck des Badens für viele Vögel darin zu bestehen, das Gefieder zu befeuchten, um das Bürzeldrüsenöl wirksamer verteilen zu können. Dieser Vorgang ist an einem Vogelbad im Garten bei unseren Singvögeln sehr schön zu beobachten. Vogelbäder sollten auf jeden Fall flach wegen der Ertrinkungsgefahr und vor Katzen geschützt aufgestellt und Regentonnen daher immer abgedeckt sein.

Holger Jürgensen