Sandbaden, Pudern, Sonnen,Einemsen... Zur kompletten Federpflege gehört bei vielen Vögeln das Baden – es gibt aber auch Ausnahmen; so gehen Hühnervögel niemals freiwillig ins Wasser. Aus dem Hühnerhof kennen wir das Sand- oder Staubbaden der Eierlieferanten, was auch die Sperlinge sehr gerne tun. Sie scharren sich Mulden in den Boden, wirbeln dabei Sand in das Federkleid und schütteln ihn vor dem Putzen wieder aus.

Der Zweck der Staubbäder als Methode der Gefiederpflege ist nicht endgültig geklärt. Es ist anzunehmen, dass sie auch der Bekämpfung der Federparasiten gilt.

Es gibt Vogelarten, die sich mit einem körpereigenen Puder einpudern, der besonders durch den Zerfall der Dunen – ein Ausdruck für die ersten Federn eines Vogels – oder durch den Zerfall bestimmter Zellen entsteht. Dies gilt für Tauben und Reiher, denen eine besondere Bürzeldrüse fehlt, und die ständig wachsenden Dunen zerfallen bei diesen Vogelarten in einen feinen Talk aus winzigen, staubartigen Teilchen, die beim Putzen das gesamte Gefieder durchdringen. Graureiher besitzen sogar eine Garnitur von drei Puderquasten in genau abgegrenzten Arealen ihres Körpers.

Sie liegen an einem geschützten Platz in der Sonne, den Schwanz und einen oder beide Flügel wie verletzt ausgespreizt – unsere Gartenvögel Amsel, Singdrossel, Rotkehlchen und der Star. Es wird behauptet, dass das Sonnen der Vögel wie ein Kühlungsverfahren wirke, um Hitze abzuleiten, indem das Tier wenig befiederten Flächen des Körpers der Luft und dem Wind aussetzt. Diese Theorie ist zumindest wenig verständlich, und wir bleiben dabei : Ob Mensch oder Vogel – wer sich in die Sonne legt, will angenehme Wärme empfangen.

Das Sonnen, das in einen Zusammenhang mit dem Putzen und Kratzen bei der Gefiederpflege zu bringen ist, dürfte dem Vogel helfen, die Parasiten zwischen den Federn in Bewegung zu setzen, wodurch sie beim Putzen leichter erreichbar wären. Auch dürften die ultravioletten Strahlen der Sonne die Wikung des Bürzeldrüsenfettes auf das Vogelgefieder vorteilhaft beeinflussen.

Gefiederpflege - StarGefiederpflege - Eichelhäher

Der Ausdruck „Einemsen“ wurde erst bei der Entdeckung des Ameisenbades durch Vögel vor ungefähr 50 Jahren geprägt. Es geht um die seltsam erscheinende und viel diskutierte Methode der Gefiederpflege, die Bearbeitung mit Ameisen. Sie scheint auf Singvögel beschränkt zu sein und ist bei insgesamt über 200 Vogelarten bereits beobachtet worden, darunter bei mindestens 20 einheimischen Arten. Die Tätigkeit des Einemsens ist auf den umgangssprachlichen Begriff „Emse“ für Ameise zurückzuführen.

Unmittelbare Beobachtungen haben ergeben, dass die Vögel stets Arbeiterinnen solcher Ameisenarten benutzen, die Ameisensäure erzeugen können. In Europa handelt es sich dabei um die Schwarzbraune Wegameise, die Gelbe Wiesenameise und die Rote Waldameise. Sie werden auf zweierlei Weise verwendet: Bei der aktiven Methode des Einemsens pickt der Vogel eine oder mehrere Ameisen mit seinem Schnabel auf, hebt einen seiner Flügel hoch und bringt die Insekten schnell auf die Unterseite der Handschwingen. Er reibt sie an den Federn und verbreitet dadurch zusammen mit seinem Speichel die Säure und sonstigen Ausscheidungen der Ameisen.

Bei der passiven Form des Einemsens lässt der Vogel lebende Ameisen über das Gefieder laufen und reizt sie absichtlich, damit sie aggressiv werden und ihre Säure ausspritzen. Der Schreiberling fand einen Eichelhäher, der sich auf den Schwanz stützend zurücklehnte, die Flügel vor sich ausbreitete und so auf einem Ameisenhaufen saß – voller unterirdischer Bewohner dieses Baus.

Der Zweck des Einemsens ist unter Ornithologen höchst umstritten. Einige Vogelkundler meinen, die Vögel suchen nur den Reiz, den sie durch die Ameisensäure auf der Haut verspüren. Es steht aber außer Zweifel, dass die Säure ein Insektizid darstellt. Durch diese Bearbeitung scheinen einige Vogelmilben früher oder später einzugehen; es ist auch anzunehmen, dass sie und andere Parasiten leichter erreichbar sind. Das Einemsen dürfte aber auch noch andere und bisher nicht erkannte Auswirkungen haben, vor allen Dingen für die Pflege der überaus wichtigen Handschwingen, denen diese Behandlung in erster Linie gilt.

Holger Jürgensen

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