Ihre Fähigkeit zu fliegen ist wohl der Hauptgrund für diesen Erfolg, aber nicht der einzige. Vögel haben sich auch dem Leben auf dem festen Lande angepasst, und einige sind auf dem Meer zu Hause, wo alles Leben einst begann. An einem unvorstellbar weit zurückliegenden Tag, als die Kontinente noch zusammenhingen, ertrank im seichten Wasser einer Verlandungszone ein Tier mit den Kiefern einer Echse und dem Gefieder eines Vogels. 150 Millionen Jahre vergingen, bis 1861 ein Arbeiter, der bei Solnhofen – im Süden der Fränkischen Alb gelegen – Schiefer für Lithographien ( Steindruck zur Vervielfältigung von Graphiken ) brach und das Fossil damit ans Tageslicht brachte. Der Fund passte hervorragend zum zwei Jahre vorher erschienenen Buch Darwins „Über die Entstehung der Arten“ – der Arbeiter hatte das berühmte fehlende Glied zwischen zwei Tierklassen entdeckt.


Foto ( Chr. Garleff ): Ringelnatter

Der Abdruck des Echsenvogels, der den Namen „Archaeopteryx lithographica“ erhielt, bewies deutlich, dass unsere Vögel von Reptilien abstammen. Der Fund wird zu Recht als Vogel bezeichnet, da er befiedert und damit ein Warmblüter war. Seine Federn unterscheiden sich im Aufbau in nichts von denen moderner Vögel. Das zuerst gefundene Fossil dieses Urvogels befindet sich heute in London ( Natural History Museum ) und wurde lange Zeit durch die Gegnerschaft der Theorien von Charles Darwin der Fachwelt vorenthalten. Ein zweites, noch besser erhaltenes Stück befindet sich in einem Berliner Museum und ein drittes in Erlangen. Ein vor wenigen Jahren in der für ihren Fossilienreichtum bekannten nordostchinesischen Provinz Laioning gefundenes Fossil wurde „Microraptor giu“ - kleiner Räuber -genannt, war 80 Zentimeter klein, 125 Millionen Jahre alt und war an allen vier Extremitäten befiedert.

Es gibt in der Regel kaum Fossilien von auf Bäumen lebenden Tieren – sie fielen, wenn sie starben, auf die Erde und wurden dort gefressen. So ist unser Wissen über das Leben der Urvögel auf „kluge Vermutungen“ angewiesen. Hatte sich erst einmal ein Federkleid ausgebildet – wahrscheinlich als Wärmeschutz - , dann konnte sich die Flugfähikeit auf verschiedene Weise entwickeln. Ein befiedertes Reptil, das auf den Hinterbeinen lief und mit den Vordergliedmaßen flatterte, war vermutlich in der Lage, auf kurze Strecken gleichsam zu fliegen.

Die von Darwin begründete und seither immer wieder bestätigte und fortentwickelte Abstammungslehre macht es verständlich, wie infolge ständiger Selektion die körperliche Entwicklung von einem Geschöpf zum nächsten fortschreiten und die heutige Vogelwelt entstehen konnte. Im Kampf ums Dasein wird jede vererbte Veränderung, die ihrem Träger bessere Überlebensbedingungen gibt, auf Grund von Selektion sich schnell verbreitern – die in der Neuzeit genannte Evolution. Diese war aber nicht eines guten Tages abgeschlossen, sondern setzt sich auch heute noch unter den etwa 8.700 Vogelarten der Welt fort.

Über die Ursache solcher Veränderungen wusste Darwin weniger als wir, die wir im Jahrhundert der Gentechnik leben. Ihr Geheimnis liegt bekanntlich in den Genen; sie sind Informationen in den Körper- und Geschlechtszellen, die die Entwicklung eines jeden Individuums steuern.

Holger Jürgensen

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