Die unauslöschliche Wirtsprägung des Kuckucksweibchens führt dazu, dass es auch zeitlebens gleichfarbige Eier legen muss, damit diese nicht erkannt werden. Man hat festgestellt, dass im Rahmen der weltweiten Kuckucksvögel unsere Art die vielfältigste Färbung der Eier aufweist. Die täuschende Ähnlichkeit zum Gelege des Wirtsvogels, Eimimikry genannt, entstand in langer Zeit der genetischen Fixierung von Toleranz und Intoleranz durch diesen. Im „Handbuch der Vögel Mitteleuropas“ - unter Vogelkundlern „der Glutz“ genannt - wird in diesem Zusammenhang „von einem ungewöhnlichen Vererbungsmechanismus kombiniert mit der Prägung im frühesten Nestlingsalter“ gesprochen. Auch die weitgehend gleichartige Nahrung von Wirts- zum Kuckucksvogel spielt eine große Rolle.

Dass der Kuckucksjungvogel innerhalb der ersten drei bis zehn Stunden nach seinem Schlupf die Eier oder / und Nestlinge seiner Zieheltern aus dem Nest wirft, ist bekannt. Dies wird mit Hilfe einer Grube in der „Sakralgegend“ (Kreuzbeingegend) des Jungvogels ermöglicht, die sich später wieder zurückbildet. Sobald der kleine, genetisch gesteuerte Kleinvogel die ersten Daunen erhält, erlischt sein „frevelhaftes“ Tun, da die fehlende Berührung mit seiner nackten Haut dies nun nicht mehr auslösen kann.

Ein Kuckucksweibchen hat eine Legekapazität in der Saison über acht Wochen von neun bis zweiundzwanzig Eiern. Bei einem erwarteten Bruterfolg von 25 bis 30 vH und den vielen Unabwägbarkeiten im Ablauf der Brut, der Aufzucht und der Ereignisse in der Natur rechnet man mit einer Nachwuchsrate von nur zwei bis drei neuen Kuckucken pro Jahr und Weibchen.

    Mai KuckuckFoto (Heinrich Scheel, Scharstorf): Mai-Kuckuck beobachtet die Umgebung

Das schnelle Wachstum eines jungen Kuckucks – zwei Wirtsvögel füttern ihn immerhin ohne eigene Jungen versorgen zu müssen – wird mit folgenden Zahlen ( „Glutz“ ) dokumentiert: Das Schlüpfgewicht beträgt ungefähr 2.5 Gramm, in zwei Wochen wiegt der Jungvogel bereits 75 Gramm, das Ausfliegewicht beträgt nach drei Wochen 80 bis 90 Gramm, und sein Gewicht vor dem Beginn des Wegzuges liegt deutlich über 100 Gramm.

Ab Juli / August sind die Regenwälder Westafrikas und die Hauptüberwinterungsgebiete Südost-Afrikas Ziel unserer Kuckucke, die teilweise 3.000 Kilometer im Nonstopflug überwinden können. In 2013 besenderte Kuckucke aus Bayern steuerten Angola an und überquerten wegen der hohen Temperaturen nachts die Sahara ( 2.000 km ohne Pause ) in sicheren 3.000 Kilometern Höhe. Die lebensnotwendige Mauser erfolgt verhältnismäßig langsam im Winterquartier, führt daher zu keiner Zeit zu einer Einschränkung der Flugfähigkeit.

Auch umgangssprachlich und in Redewendungen wird unser Kuckuck verwendet, wenn zum Beispiel jemand davon spricht, dass „ihm ein Kuckucksei ins Nest gelegt worden sei.“ Beim ersten Kuckucksruf im Jahr hat man sich auf das Portemonnaie zu klopfen, auf dass es immer gefüllt bleibe. In der Wappenkunde spielt unser Kuckuck als Gegenpart zum Adler eine Rolle, und so wird die Siegelmarke des Gerichtsvollziehers anlässlich einer Pfändung auch Kuckuck genannt.

Holger Jürgensen

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