Der Revier anzeigende Gesang der Feldlerche ist nicht nur für Romantiker eine Freude und ein Genuss, sondern auch für sehr nüchterne Menschen, wissen wir doch, dass unsere Wiesenvögel sich nicht so gut mit den modernen landwirtschaftlichen Produktionsmethoden besonders der Futtergewinnung vertragen. Die Hilfen für den Fortbestand dieses Sperlingsvogels kann nur in der Schaffung kurzrasiger Grünlandflächen liegen, die dann extensiv genutzt werden müssen, sowie in der scharfen Bejagung ihrer Prädatoren.

Feldlerchen richten in Erregung ihre gesträubten Scheitelfedern zu einer Haube auf; sie sollten daher nicht mit ihrer Verwandten, der Haubenlerche, verwechselt werden.

Der aufsteigende Spiralflug einer Feldlerche endet in 50 bis 60 Metern Höhe, und nach zwei Minuten Gesang erreicht der Vogel dann fallschirmartig wieder den Boden. Wenn man ihrem Gesang aufmerksam folgt, erkennt der Kundige Imitationen der Rufe von Watvögeln, der Haubenlerche, des Hänflings und Sumpfrohrsängers. Es soll viel gereiste britische Ornithologen geben, die aus dem Gesang einer Feldlerche den Winteraufenthalt dieses bestimmten Vogels anhand seiner Gesangsmotive immitierter Vögel aus Nordafrika oder dem Mittelmeergebiet erkennen können.

Feldlerche
Fotos (Jürgensen): Feldlerche – Wachposten auf erhöhter Warte

Unter den Feldlerchen gibt es aber auch Standvögel, die – ohne dem Beobachter groß aufzufallen – in Nordeuropa unter der Bedingung ausharren, dass nicht über Wochen Schnee die Nahrungsfindung unmöglich macht, wobei im Winter Samen und während der Vegetationszeit Insekten, vor allen Dingen bei der Verfütterung an die Nachzucht, eine Rolle spielen.

Feldlerchen gehören zu den Vogelarten, bei denen sich bei ihren Weibchen zu Beginn der Bebrütung der Eier ein Brutfleck bildet, und zwar in der Gestalt einer lokalen „Pelzdunenmauser“ am Bauch. Die dann federfreie und verdickte Haut ist mit Falten überzogen, und die sich dort bildenden größeren und zahlreicheren Blutgefäße sorgen für eine stärkere Durchblutung und damit für die Brut am Boden besonders notwendige Wärme.

Gelege einer Feldlerche
Gut verstecktes Gelege eines Feldlerchenpaares

Unsere Lerchen sind also Bodenbrüter mit einem offenen Nest, was zur Folge hat, dass eine ganze Reihe von Feinden einen leichten Zugang zu ihrem Gelege hat, darunter Mäuse, Krähen und Igel, die einen Eierraub riskieren sowie Hermelin, Fuchs, Möwen und der Storch, die durchaus auch für die Nestlinge eine Gefahr darstellen. So ist es nicht verwunderlich, dass neben den Biotopverlusten der Bestandsrückgang unserer Feldlerchen seit 1980 erheblich ist, was sogar die auf den Lerchenfang spezialisierten (menschlichen) Jäger des Mittelmeergebietes bestätigen können.

Es finden sich in der Literatur statistische Forschungsergebnisse, die besagen, dass ein Brutpaar zwei bis drei Jungvögel im Jahr bis zu ihrer Flugfähigkeit aufziehen können, wovon dann wieder nur ein Jungvogel selbstständig wird. Bis zur Geschlechtsreife kommt ein Jungvogel nach diesen Untersuchungen nur alle zwei Jahre, der dann auch wieder nur ein bis zwei Jahre alt wird – ein enormer und bedauerlicher Aderlass.

Holger Jürgensen