Die Gebirgs- oder Bergstelze fängt aber auch Spinnen, Flohkrebse, Schnaken und andere Hautflügler. Ihr Aussehen ähnelt einer Bachstelze, wegen ihrer unterwärtigen, leuchtenden Gelbfärbung aber noch mehr einer Schafstelze mit einem deutlich längeren, schwarzen Schwanz mit weißen äußeren Steuerfedern. Dank ihres schlanken Körpers wirkt die Gebirgsstelze äußerst „elegant“. Das Männchen besitzt nur während der Brutzeit eine schwarze Kehle, die sich der weißlichen Färbung des Weibchens außerhalb dieser Zeit angleicht.


Foto ( Christian Garleff, Hamburg ) : Wippender Geselle bei einer Fischzucht in der Uckermark

In Schleswig-Holstein geht der suchende Blick eines Vogelkenners gerne dorthin, wo das Wasser rauscht, um den nicht häufigen Anblick der Gebirgsstelze zu genießen : An künstlichen Stauwehren, Mühlengräben oder an anderen, von Menschen beeinflussten Gewässern findet man sie – ständig mit dem Schwanz und Körper wippend. In vorchristlicher, heidnischer Zeit haben unsere Vorfahren in ihrem Unverstand geglaubt, dass die ewig zuckenden Leiber der Stelzen die Seelen solcher Menschen beherbergen, die wegen ihres schlechten Lebenswandels zitternd starben. Zunehmend kommt die Gebirgsstelze heute außerhalb der Brutzeit auch in die Städte, wo man ihr an Gewässern in Parks oder an größeren Gartenteichen begegnen kann. Hunde, Katzen und Passanten machen ihr hier aber wegen der geringen Anpassungsfähigkeit des Vogels das Leben schwer.

Der erste Brutvogelatlas für Schleswig-Holstein aus dem Jahre 2002 weist zurecht auf erhebliche Bestandsschwankungen dieser Vogelart von Jahr zu Jahr hin und nennt dabei den Ausfall nach Kältewintern sowie vor allen Dingen unterschiedliche Wasserstände an gestauten Wasserläufen als wichtigste Ursachen. Die in diesem Jahr erschienene Brutbestandsaufnahme geht von einer Verdoppelung der Beobachtungen und Schätzungen in den Jahren 2001 bis 2009 in Schleswig-Holstein aus. Die Stimme der Gebirgsstelze ist eher bescheiden zu nennen. Während der Balz, die sich in der Luft abspielt, hört man hohe und schrill zwitschernde Töne. Der Ruf des Vogels klingt metallisch scharf und kann bei Störungen – zum Beispiel am Nest – schrille Ausmaße annehmen. Die Kinderstube dieser Vogelart findet man in einer Höhlung oder Mauernische in der Nähe eines Baches – die Gebirgsstelze ist Halbhöhlenbrüter.

Der Mangel an geeigneten Brutmöglichkeiten macht es oft notwendig, dass Vogelschützer ihr künstliche Nisthilfen mit einer großen Einflugöffnung anbieten. An Wehren, Staustufen oder unter Brücken angebracht, siedelt sich die Gebirgsstelze dann dort auch gerne an. Das Nest wird mit Moos, Grashalmen, Haaren und anderen feinen Fasern ausgepolstert. Nachdem die Jungen flügge geworden sind, werden sie noch kurze Zeit von den Alten gefüttert, die dann in der Regel ein zweites Mal Nachwuchs produzieren. Die Gebirgsstelzen sind in unseren Breiten häufig Standvögel; im Osten und in härteren Wintern ziehen sie aber nach West- und Südeuropa ab – nach England, Belgien, Frankreich und auf die iberische Halbinsel. Wer die Inselgruppen des Ostatlantiks wie die Azoren, Madeira oder die Kanarischen Inseln bereist hat, wird dort auf Individuen stoßen, die sich äußerlich nicht sehr von unseren Bergstelzen unterscheiden. Aber die Wissenschaft hat die durch deren Insellage isolierten Populationen gut untersucht und gering auffällige, aber konstante Unterschiede in der Gefiederfärbung festgestellt.

Holger Jürgensen