Zweiundachtzig Stunden hat das Feuer in der Nähe der Hafenstadt Haifa im nordisraelischen Kamelgebirge Mitte Dezember gewütet, hat einundvierzig Tote sowie viele Verletzte gefordert und hat eine gigantische Spur der Verwüstung hinterlassen. Als die Mitglieder der Vogelschutzgruppe ( VSG ) 1993 ihre zweite Großfahrt nach der VSG-Gründung in den jüdischen Staat wagten, standen sie hoch oben auf dem Berg und genossen den Ausblick auf das Mittelmeer. Heute empfinden sie tiefe Betroffenheit .........


Foto ( Jürgensen ) : Zwei Wiedehopfe vor dem Brutplatz

Inzwischen ist der Staat Israel im Jahre 2008 vierzig Jahre alt geworden. Man sagte sich, dass der jüdische Staat nun auch einen Nationalvogel bräuchte und kürte den Wiedehopf als einen solchen. Nun gilt diese Vogelart nicht gerade als sehr säuberlich; der Geruch im Bereich seines Nestes hat die mundartliche Redewendung geformt : "Es stinkt wie ein Wiedehopf". Außerdem hält die Bibel ihn für ein "unreines" Tier, das nicht verspeist werden dürfe. Aber König Salomon hat den Wiedehopf als Boten zwischen ihm und der Königin von Saba benutzt; außerdem war der Vogel von ihm um Hilfe beim Bau des Tempels gebeten worden. Ja, wenn das so ist, ........

Im Israelischen wird der Wiedehopf "duchifat" genannt, im Arabischen "hud hud", und die Engländer nennen ihn "hoopoe". Mindestens die letzten zwei Ausdrücke erinnern an den Ruf des kleinen Stinkers, dessen Stimme u.a. in unseren deutschen Bestimmungsbüchern mit einem dreifachen "hup hup hup" angegeben ist.

Foto ( Jürgensen ) : Spornkiebitz in den Dünen am Mittelmeer

Man hat wohl auch im Zusammenhang auf der Suche nach einem "geeigneten" Nationalvogel an den Bartgeier gedacht, wohl wissend, dass der Staatspräsident Shimon Peres nach seiner begeisterten Beobachtung eines kreisenden Bartgeiers seinen Nachnamen Persky in Peres   ( = israelisch : Bartgeier ) geändert hatte. Der Mehrzahl aber war ein Geiername zu militant, obwohl sich dieser Vogel eigentlich nur von den Resten toter Lebewesen ernährt, nämlich von Knochen und ihrem Inhalt, die er in bedeutende Höhen hebt, um sie dann auf dem Fels zerbersten zu lassen und anschließend die Stücke komplett zu verschlingen.

Zum Thema Bartgeier lesen wir gerade im Büchlein "Küsse, Kämpfe, Kapriolen - Sex im Tierreich" der Doktores Mario Ludwig und Harald Gebhardt eine Geschichte über Daschik und Jehuda, zwei männliche Bartgeier aus dem Bibelzoo in Jerusalem. Sie lebten mehrere Jahre lang in einer engen homosexuellen Beziehung - und das ausgerechnet im Bibelzoo. Beide bewohnten einen gemeinsamen Horst, balzten ständig verliebt miteinander und zogen sogar adoptierte Geierküken auf. Das ging solange bis zum Einzug eines Geierweibchens namens Beatrice in die Voliere gut, denn Jehuda verliebte sich Hals über Kopf in die "Dame". Der verschmähte Ex-Liebhaber soll daraufhin in schwere Depressionen verfallen sein und musste umgesiedelt werden, wo er sich mittlerweile aber auch wieder umorientiert hat.

Israel wird vielfach ausschließlich im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt wahrgenommen. Das Land hat aber mehr zu bieten, wenn man an den herbstlichen und den Frühjahrs-Vogelzug besonders zwischen dem Golan und dem Anti-Libanon denkt. Eine halbe Milliarde Vogelindividuen mit regelmäßig 400 unterschiedlichen Arten passieren den engen Bereich. 85 vH aller Weißstörche Nordeuropas und an einem guten Zugtag 40.000 Kraniche ziehen auf ihrem Flug in den weiteren Süden hier durch oder verbleiben zu einer mehr oder weniger langen Rast auf den abgelassenen Teichen oder abgeernteten Erdnussfeldern. Wegen der vielen Vogelopfer in der letzten Zeit an den Hochspannungsleitungen in diesem Gebiet hat die israelische Energiegesellschaft in einem Abstand von acht Metern tags und nachts aufblinkende "Vogelampeln" auf den Drähten montiert, die mit Sonnenernergie gespeist  werden.


Foto ( Jürgensen ) : Weißstörche bei ihrer Rast im Sinai

Die nach dem Sechtagekrieg im Jahre 1967 von den Israelis besetzten Golanhöhen messen über eintausend Quadratkilometer. Man kann von hier die syrische Hauptstadt Damaskus erahnen. Der Golan soll in Gänze ein Naturschutzgebiet werden, und zwar zum Ausgleich für die enorme Bautätigkeit in diesem jungen Staat. Noch immer gibt es an dieser Stelle elektronisch gesicherte Zäune und Minengürtel, die viele Familien von ihren jordanischen Angehörigen trennt. Längst kann man natürlich über das Internet miteinander kommunizieren, aber es ist bereits eine Tradition geworden, am Muttertag von israelischer Seite aus auf die andere Seite der Grenze sich Grüße zuzurufen; der Bereich heißt heute das "Tal der Schreie".

Der sinkende Wasserstand des sich im Süden des Golan anschließenden Sees Genezareth macht den israelischen Umweltschützern wegen der landwirtschaftlichen Wasserentnahmen Sorgen. Als Gegenmaßnahme sollen die Wasser des Golans vor Verschmutzung durch das Vieh geschützt werden und anschließend der Landwirtschaft zur Beregnung ihrer Felder zur Verfügung gestellt werden.

Holger Jürgensen