Vogelkunde - Versteckt in der Gartenhecke – Amselnester

Vogelkunde - Versteckt in der Gartenhecke – Amselnester

Bei aufmerksamer Beobachtung der Futter tragenden Altvögel ist der Standort eines Nestes sehr bald ausfindig zu machen. Die Neugier sollte jedoch immer dort Grenzen finden, wo das Bundesnaturschutzgesetz mit seinem § 44 greift – letztendlich mit der Aufforderung : Hände weg !

Dieses Nest besitzt eine tiefnapfige Becherform – ein am häufigsten zu findender Nesttyp bei vielen Vögeln. Sie wird dadurch erzeugt, dass der Vogel seinen Körper während des Baus in Abständen in die Nestmulde drückt und sich dabei „schrittweise“ in beiden Richtungen um die Achse dreht, bis herausstehendes Material eingeebnet ist. Das Fundament besteht aus Moos, Wurzeln und kleinen Zweigen, die mit der Unterlage zusammengefügt werden, während für die Wände Materialien wie Gräser und feine Wurzeln Verwendung finden. Die gesamte Nestmulde wird mit Lehm oder anderen bindigen Erdsubstraten durchsetzt und schließlich mit weichen Pflanzenfasern ausgepolstert.

Innerhalb einer durchschnittlichen Bauzeit von nur zwei bis fünf Tagen wird das Nest vom Amselweibchen allein fertig gestellt. Das Männchen überwacht indes das Revier und begleitet seine Partnerin bei den Sammelflügen – oder er setzt sich auf den Hausfirst und singt …........

Auch das Gelege, das meist aus vier bis fünf Eiern besteht, wird ausschließlich vom Weibchen bebrütet, während sich das Männchen später an der Fütterung der Jungvögel beteiligt. Bei uns brüten Amseln in der Regel zweimal - manchmal auch zum dritten Mal. Für jede Brut wird ein neues Nest gebaut ! Trotz relativ hoher Verluste der Nachzucht durch menschliche Störungen oder Nesträuber wie Hauskatzen, Rabenvögel oder Eichhörnchen haben sie einen ausreichenden Bruterfolg von zwei bis vier flüggen Jungvögeln je Brutpaar und Jahr.

Die Amsel bewohnt fast alle Lebensräume, die zumindest einen kleinen Anteil an Laubgehölzen aufweist. Ursprünglich jedoch lebte diese Drosselart ausschließlich im Wald mit einem hohen Anteil an Unterholz. Erst um 1850 in Süddeutschland und etwa fünfzig Jahre später auch in Schleswig-Holstein drangen Amseln in die menschlichen Siedlungen vor. Sie bewohnen inzwischen praktisch jeden Garten, Park oder Friedhof.

Es wird vermutet, dass günstige Klimabedingungen mit milden Wintern, reichhaltiger Nahrungsressoursen durch menschliche Fütterungen und der geringe Feinddruck diese Verstädterung auslösten oder begünstigten. Die Amsel erweiterte dadurch nicht nur ihren Lebensraum und vergrößerte ihren Bestand erheblich, sondern veränderte dort auch ihr Verhalten gegenüber dem Menschen. Während sich die „Gartenamsel“ zutraulich zeigt, erweisen sich die „wilden“ Amseln im abgelegenen Wald nach wie vor als scheu und zurückgezogen.

Die Verstädterung von Vogelarten – wie die der Amsel – ist eines der interessantesten Phänomene, die als Reaktion von Tieren auf zivilisationsbedingte Umweltveränderungen zu beobachten sind.

Foto ( Jürgensen ) : Bettelnde Brut der Amsel

Holger Jürgensen

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