Vogelkunde - Ein Brief aus Kanada

Vogelkunde - Ein Brief aus Kanada

Margit und Werner S. haben Wurzeln in Eutin, leben in einem 11.000-Einwohner zählenden Städtchen am Saugeen-River im Südwesten des kanadischen Ontario, und sie halten Kontakt zur Vogelschutzgruppe Eutin-Bad Malente e. V. ( VSG ), da Werner auch ein "Vogelbegeisterter" ist.

Werner berichtet im Herbst 2016, dass das Land unter einem heißen und trockenen Sommer gelitten hat - für die Hauptfruchtarten Mais und Sojabohne kam der Regen zu spät. Auch das Grünland hat gelitten, erholt sich aber erfahrungsgemäß sehr schnell wieder. Weiden und Wiesen gibt es aber in letzter Zeit nur noch auf für den Pflug zu steilen oder steinigen Flächen. So würden auch die "Graslandvögel" immer seltener.

Während die Kanadagänse mit ihren urwüchsigen Rufen nachts die Landschaft Richtung Süden überfliegen, laben sich die Kolibris alle paar Minuten an Werners Zuckerwasser; angeblich müssen diese Winzlinge ihr Gewicht verdoppeln, bevor sie sich auf die lange Reise nach Südamerika begeben. Die Eichhörnchen würden ihm fast zur Plage, die jetzt Walnüsse als Wintervorrat sammeln. Für den Blauhäher und die Meisen werden Maiskolben und Sonnenblumenkerne bereitgestellt, die vier Spechtarten erhalten eine eigene Fettmischung. Die Wintergäste aus dem Norden erhalten aus aufgehängten Behältern zusätzlich ein Mischfutter und Nigersamen - die ölreiche Frucht des Ramtillkrautes - übrigens in unseren Breiten besonders zu empfehlen für die Ganzjahresfütterung, bevorzugt von Erlenzeisigen und Stieglitzen.

Gesondert beschreibt Werner die Arbeit seiner Vogelschutzgruppe für den Flötenregenpfeifer ( Piping Plover ); gerade sei ein beringter kanadischer Brutvogel auf Florida in seinem Winteraufenthaltsort beobachtet worden. Diese seit 1980 vom Aussterben bedrohte Art hat sich dank staatlichem und privatem Einsatzes wieder auf 70 Paare erhöht. Auf der Ostseite des Huronsees ( Sauble Beach ) haben zum Beispiel vier Paare dieser Regenpfeiferart fünfzehn Eier gelegt, aus denen acht Jungvögel schlüpfen konnten; von diesen acht Küken wurden durch Prädatoren fünf getötet, in der Regel durch Ringschnabelmöwen, die unseren Silbermöwen ähneln. Die örtlichen Ornithologen meinen, dass dann gerade noch drei Jungvögel endgültig auf die Reise in den Süden gehen konnten - keine sehr hohe Reproduktionsrate eines Bodenbrüters.

Sehr positiv vermeldet Werner eine Zunahme der jungen Mitglieder in seinem Vogelclub; wir werden den 86-jährigen fragen müssen, wie man dies erreicht.

Mit einer Bemerkung über Erdschweine ( Woodchucks ), die man bei uns Waldmurmeltiere nennen würde, beschließt der Briefpartner seine Zeilen. Sie seien nun rund und dick, haben damit genug Fett angesetzt, um den langen Winterschlaf zu überstehen.

Der Schreiberling recherchierte, dass der englische Name "Woodchuck " Anlass zur Verwendung eines Zungenbrechers ist : "How much wood would a woodchuck chuck if a woodchuck could chuck wood ? - A woodchuck would chuck as much wood as a woodchuck could chuck wood" ( Wieviel Holz würde ein Woodchuck fällen, falls ein Woodchuck Holz fällen könnte ? - Ein Woodchuck würde soviel Holz fällen, wie ein Woodchuck fällen könnte, wenn er Holz fällen könnte ). Damit genug der Ehre für das Murmeltier.

Bilder ( Werner S. ) : Beringter Flötenregenpfeifer in Ontario Logo der VSG in Kanada

Holger Jürgensen

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