Vogelkunde - Bleiben die Störche noch nach Bartholomä ............

Vogelkunde - Bleiben die Störche noch nach Bartholomä ............

so kommt ein Winter, der tut nicht weh - so sagt der katholische Volksmund, der am 24. August das Fest eines der zwölf Apostel, des heiligen Batholomäus, feiert. Vielleicht achten wir einmal in diesem Herbst auf die Richtigkeit dieser Bauernregel.

Unsere Welt ist voll von Geschichten und vor allen Dingen voller Mythen um den Weißen Storch. In Europa bringt dieser gut erforschte Stelzvogel den Menschen Glück und Nachwuchs. In China gilt er als Symbol für Langlebigkeit. Auch die Muslime ehren den schwaz-weiß-roten Vogel, da in der arabischen Welt der Volksglaube herrscht(e), dass jeder Storch die Seele eines verstorbenen Menschen verkörpert, der es in seinem Leben nicht schaffte, nach Mekka zu pilgern.

"Da brat mir einer einen Storch - und die Beine möglichst knusprig" - drückt damit jemand sein Erstaunen aus und setzt den Ausruf mit einer humorvollen Bemerkung fort. Während der sommerlichen Grillsaison kommt heute unser Freund Adebar nicht auf den Grill, was im Volk Israel wohl nicht selbstverständlich war, da wir im 3. Buch Mose ( 11. 13 - 19 ) nachlesen können, welche Vögel nicht gegessen werden dürfen : Die lange Aufzählung der Arten beginnt - immerhin verständlich - mit Aas-, Schwarz- und Bartgeier und geht über Eulen, Raben und Falken sowie noch vor dem "stinkenden" Wiedehopf und dem "Nichtvogel" Fledermaus zum Storch - nur zu verstehen aus dem damaligen Kult der Priester aus dem Stamm Levi ( Buch Levitikus ).

Ein spanisches Reisemagazin machte am 1. April 2013 mit der Nachricht über einen neuen Lebensmittelskandal auf; bei deutschen Discountern seien tiefgekühlte Reispfannen mit Fleisch von Störchen durchsetzt - natürlich ohne entsprechende Kennzeichnung. Die Nachricht wurde noch dramatisiert, indem behauptet wurde, dass die vielen Störche in der Estremadura nicht mehr ihre Nester anflögen und es beim örtlichen Metzger in den Kühlhallen nach Fröschen roch - es war eben der erste April.......

Zurück zum "Da brat mir doch einer einen Storch" : Auf der Suche nach Nachweisen zu diesem Spruch stößt man auch auf die Römerzeit, in der der Genuss von Fleisch von Jungstörchen durchaus als Delikatesse galt. Und medizinisch war er auch hilfreich, nämlich gegen "Triefäugigkeit" ............ Das änderte sich dann spätestens im Mittelalter, in dem zwar noch manches gegessen wurde, was wir heute nicht mehr anrühren würden, aber der Storch war ausdrücklich vom Verzehr ausgenommen. Sogar der Papst Zacharias, der von 679 bis 752 lebte, berief sich noch auf die Speisevorschriften im Buch Levitikus.

Zahlreiche Glückwunschkarten zur Geburt eines Kindes zieren heute das Symbol eines Storches. "Storch, Storch guter, bring mir einen Bruder; Storch, Storch bester, bring mir eine Schwester", und der Storch biss der Mutter ins Bein, worauf diese eine Weile krank im Bett lag............

Holger Jürgensen

Foto ( D. Schümann ) : Weißstorch-Kopula auf einem sehr alten und mächtigem Horst