Vogelkunde - Meeresvögel in den Wok?

Vogelkunde - Meeresvögel in den Wok?

Jemand schiebt dem Schreiberling eine Nachricht zu, die darüber eine Aussage gibt, dass chinesische Fischtrawler im Atlantik vor Mauretanien Meeresvögel fischen – illegal natürlich. Die reisserische Überschrift des Beitrages bringt es auf den Punkt : „Basstölpel für den Wok“.

Was ist ein Wok, bitte sehr ? Der Duden aus dem Jahre 1980 kennt den Begriff noch nicht, auch Meyers großes Taschenlexikon ( 1995 ) ist die Bezeichnung noch fremd. Nicht nur junge Leute wissen aber längst, dass das Wort „Wok“ aus dem Chinesischen stammt. Es handelt sich hier um eine „hohe, durchgehend gewölbte Pfanne“, die in die südostasiatische Küche mit ihren schmackhaften Gerichten und dort zu den wichtigsten Kochutensilien gehört – längst bieten asiatische Restaurants auch bei uns schmackhafte Gerichte aus dieser Pfanne an.

Was die Behörden bei der Durchsuchung eines chinesischen Fischerbootes vor der westafrikanischen Küste Anfang des Jahres 2015 fanden, müsste die internationalen Umweltschützer alarmieren : Unter Deck beschlagnahmten die Kontrolleure nach Zeugenaussagen mehrere Behälter mit getöteten Seevögeln, besonders mit dem gänsegroßen Hochseevogel „Basstölpel“. Die Tiere waren gerupft, zerlegt, tiefgefroren und in einer Folie eingeschweißt – deklariert als Fisch.

Nun deutet vieles darauf hin, dass der Fund für den Export nach China bestimmt war – so wird zumindest in einem Vogelkunde-Magazin berichtet. Das ganze Ausmaß dieser Vogelwilderei erscheint noch keinesfalls geklärt, aber man zitiert mauretanische Quellen, die von bis zu 95.000 getöteten Vögeln sprechen. Diese Angabe würde zehn Prozent des Bestandes an Basstölpeln in Europa bedeuten, ist aber eine „Hochrechnung“ auf Grund der gefundenen Container des beschlagnahmten Schiffes. Vom englischen Vogelschutzbund RSPB – The Royal Society for the Protection of Birds – ist zu hören, dass bei einem positiven Ergebnis einer weiteren Recherche zufolge „eine völlig neue Bedrohung von Hochseevögeln“ anstehen würde. Der Fang in den sensiblen Überwinterungsgebieten vieler nordischer Tölpel, Enten und Taucher wäre ein dramatischer Rückschlag der Schutzbemühungen in Deutschland und Europa.

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Indizien legen den Schluss nahe, dass immer mehr Wildvögel für die chinesische Küche gejagt werden und nicht „nur“ als Beifang der Fischer gelten können. Erleichtert wird dieser Fang durch die Jagdtechnik dieser eleganten Tölpel, die bei ihrer Nahrungssuche mit angelegten Flügeln stoßtauchend Fische erbeuten. Da dies natürlich sehr erfolgreich über Fischschwärmen erfolgt, denen auch die Fangflotten folgen, finden sich diese Vögel oft zahlreich ein. Es verfangen sich diese Meeresvögel in den Ködern der Langleinen der Trawler sowie in deren Netzen.

Ein eventuell neuer Trend zu Wildfleisch geht bereits im November 2007 aus einer amtlichen, chinesischen Meldung hervor, in der über die Festnahme eines Hehlers berichtet wird, der 62 weltweit geschützte Eulen in die chinesische Metropole Guangzhou schmuggeln und an Restaurants verkaufen wollte. Und im Jahre 2008 gab es in Malaysia eine Beschlagnahme aufbereiteter Vögel durch Wildhüter, die in Richtung China unterwegs waren : Hier handelte es sich um gerupfte, tiefgefrorene und in Plastik verpackte Schleiereulen ......................

Fotos ( Dr. Rolf Gaue ) : Basstölpel auf Helgoland

Holger Jürgensen

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