Seit vielen Jahren erfreut Holger Jürgensen die Leserinnen und Leser des Ostholsteiner Anzeiger mit seiner ornithologischen Kollumne "Vogelkunde AKTUELL". Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen seiner neusten Beiträge über die spannende Welt der Vogelkunde.

Vogelkunde - Als die Vögel ihre Zähne verloren......

Vogelkunde - Als die Vögel ihre Zähne verloren......

Chinesische archäologisch arbeitende Forscher behaupten, dass unsere Vögel vor 120 Millionen Jahren ihre Zähne "verloren haben" - selbstverständlich im Rahmen einer unendlich langen Zeit der Evolution - und dass dieser Vorgang mit der Möglichkeit einherging, sich nicht nur mehr von Fleisch und Früchten, sondern auch interessanterweise von Samen und Körnern zu ernähren. Dies alles sei auch nur vor dem Hintergrund des damaligen dramatischen Erdgeschehens zu verstehen - z. B. Meteoriteneinschläge als besonders stark verändernde Eingriffe in alles Leben - so die Wissenschaft.

Der Kropf bei unseren Vögeln bildet eine sack- oder schlauchähnliche Ausdehnung ihrer Speiseröhre, die als Nahrungsspeicher dient. Diese praktische Einrichtung hilft, ein nur in kurzer Zeit reichlich verfügbares Nahrungsangebot zu nutzen sowie Jungvögeln zur Atzung eventuell auch vorgeweichtes Futter verabreichen zu können. Da Vögel Körner nicht im Mund zerkleinern, diese höchstens durch den Schnabel aus Horn gequetscht werden können, wandert die Nahrung über das "Zwischenlager" Kropf dosiert in den Muskelmagen, wo sie mit Hilfe von aufgenommenen Steinchen, dem sogenannten Gritt, zur Aufnahme durch die Därme aufbereitet wird.

Ein Kropf erscheint besonders bei Fischfressern wie dem Graureiher und dem Pelikan sowie Fleischfressern wie bei den Geiern ausgeprägt, und speziell bei allen Körnerfressern.

Bei Tauben kann ein Teil eines Luftsackes im Halsbereich zur Balzzeit aufgeblasen werden - diese Erscheinung nennt man Balzkropf und ist beim erregten Täuber deutlich zu erkennen.

Während der Aufzucht ihrer Jungen produzieren Tauben im Kropf eine "Milch", die aus nährstoffreichen Zellen der Kropfinnenwand besteht, die abgestoßen und als fettiges Sekret sowie an Milch erinnernde breiige Masse an die Jungen verfüttert wird. Bei diesem Vorgang verschwindet der Kopf des Jungvogels praktisch im Hals des Altvogels, was uns immer wieder Gelegenheit gibt, interessante Beobachtungen eines "fürsorglichen Verhaltens" bei der Jungenaufzucht zu machen.

Fotos ( Jürgensen ) : Landeanflug einer Ringeltaube

Holger Jürgensen

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Vogelkunde - Stehen auf einem Bein

Vogelkunde - Stehen auf einem Bein

Welche Funktion liegt diesem auffälligen Verhalten unserer Vögel und welcher körperliche Mechanismus zugrunde ? Der an der Ruhr-Universität Bochum forschende und lehrende Professor Reinhold Necker hat sich mit unserer Frage ausführlich beschäftigt.

Da geht es in erster Linie um die Notwendigkeit, auf einem Bein das Gleichgewicht halten zu können. Wir wissen, wie wichtig diese Fähigkeit vor der Einschulung unserer Kinder ist - auf einem Bein balancieren und hüpfen können sind positive Zeichen einer ausreichenden motorischen Entwicklung. Unser Körper ist jedoch im Gegensatz zum Vogel vertikal und nicht horizontal zur Schwerkraft ausgerichtet, was unseren gefiederten Freunden eine "aufwändige Gewichtsregulierung" abfordert, die ihnen jedoch keine besonderen Kräfte abverlangt, da diese Körperstellung nur durch die gezielte Beugung seines Oberschenkels bewirkt wird.

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Vogelkunde - Nationalpark Wattenmeer, Schlaraffenland aus Watt und Salzwiese

Vogelkunde - Nationalpark Wattenmeer, Schlaraffenland aus Watt und Salzwiese

Bei dem Versuch, sich dem Wort "Watt" sprachlich zu nähern, stoßen wir im Niederdeutschen auf "Stelle, die sich durchwaten lässt". Schleswig-Holsteiner als Bewohner eines Landes zwischen den Meeren kennen diese flache Gezeitenküste sehr gut, die täglich zweimal überflutet wird und dann wieder "trocken"-fällt. Was produziert eigentlich das Außendeichgebiet unserer mitteleuropäischen Westküste, dass dieser Naturraum so interessant und erhaltensnotwendig für unsere Vogelwelt ist - für jährlich 500.000 Brutvögel mit 25 Arten und zehn bis zwölf Millionen rastender und ziehender Geflügelter mit 75 Arten auf der Strecke zwischen den Niederlanden über Schleswig-Holstein bis an die Nordspitze Dänemarks ?

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Vogelkunde - Invasionen

Vogelkunde - Invasionen

Das Wort "Invasion" ist bei uns durch militärische Ereignisse besetzt, und in unserem Kopf setzt sich folgerichtig "Okkupation" fest. In der Vogelwelt stellt sich die Situation dankenswerterweise anders dar - nach ihrem plötzlichen Auftreten verschwinden sie dann auch wieder.

Bei einer größeren Anzahl von Vögeln verlassen mehr oder weniger, in unregelmäßigen und wenig vorhersehbaren Abständen, ganze Brutpopulationen ihre Heimat und erscheinen dann, oft sogar in großen Zahlen, in fremden Gebieten. Diese Vögel gelten als sogenannte Invasionsvögel. Ihre Erscheinung beginnt mit der Abwanderung aus der eigentlichen Heimat, das natürliche biologische Gründe hat - steigende Siedlungsdichte, sturmverdriftete oder sich in der Ausbreitung befindliche Vogelarten.

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Vogelkunde - Glockengeläut und Muezzin-Rufe zum Gebet

Vogelkunde - Glockengeläut und Muezzin-Rufe zum Gebet

Sonntägliches Glockengeläut aus der Ferne - ein fast sinnlicher Genuss in der von allen akustischen Ablenkungen befreiten Landschaft. In ihrer Nähe wird die kirchliche Aufforderung zur Teilnahme am Gottesdienst aber besonders deutlich und lautstark, was den Autor an einen Ausspruch des Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck in Erinnerung bringt : "Das Glockengeläut sei die Artillerie der Geistlichkeit".

Der Ornithologe beobachtet die Dohlen- und Straßentaubenschar, die beim ersten Glockenschlag aufschrickt, aber offenbar darin keine Gefahr erkennt und daher sehr schnell wieder ihre luftigen Plätze einnimmt. Dem Beobachter stellt sich jedoch die Frage, wie halten sie "diesen Krach" eigentlich aus. Unsere Mediziner erklären uns, dass lärmbedingte Hörschäden nicht heilbar sind, und daher meiden wir ( vernunftbegabten ) Menschen eine hohe Dauerbeschallung und hohe Schallpegelwerte. Gilt dies nicht auch für Vögel ?

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