Seit vielen Jahren erfreut Holger Jürgensen die Leserinnen und Leser des Ostholsteiner Anzeiger mit seiner ornithologischen Kollumne "Vogelkunde AKTUELL". Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen seiner neusten Beiträge über die spannende Welt der Vogelkunde.

Vogelkunde - ein Reiher namens Moorochse

Vogelkunde - ein Reiher namens Moorochse

Der 1. Band erschien bereits 1966 : Das "Handbuch der Vögel Mitteleuropas", von mehreren wissenschaftlich arbeitenden Vogelkundlern im Verlaufe der folgenden 31 Jahre bearbeitet, und es ist mit seinen folgenden 22 Bänden nach wie vor das Standardnachschlagewerk für ( Hobby - ) Ornithologen, das "respektlos" nur der "Glutz" nach dem bis zuletzt genannten Schweizer Herausgeber Urs Glutz von Blotzheim benannt wird - 90 Zentimeter Bücherbord füllend. 1997 erschien die letzte Ausgabe, die dann erwartungsgemäß auch mit der Beschreibung aller Vogelarten abschloss. In der Zwischenzeit haben sowohl Wissenschaftler als auch "einfache" Vogelbeobachter viel zusätzliches Wissen über die Avifauna zusammengetragen, so dass der "unverschämte" Wunsch im Raume steht, eine Erweiterung sowie Neubearbeitung der Werke mit heutigen Erkenntnissen zu erstellen.

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Vogelkunde - Vogelnamen - Weißstorch, Brandgans, Rauchschwalbe, Lachmöwe und Co. ( 2 )

Vogelkunde - Vogelnamen - Weißstorch, Brandgans, Rauchschwalbe, Lachmöwe und Co. ( 2 )

Der Name der Brandgans - sie ist wegen der gemeinsamen Führung der Jungen durch beide Altvögel keine Ente - kann unterschiedlich interpretiert werden : Die Bezeichnung mag wegen ihres orangeroten Brustbandes abgeleitet sein, aber auch andere Deutungen lassen eine Erklärung zu, zum Beispiel die schwarzen Flügelspitzen gelten als "angebrannt". Auf jeden Fall führt aber der Name "Fuchsgans" im Zusammenhang mit der vermeintlich gegenseitigen Akzeptanz der ungleichen Tiere im gleichen Erdbau in die Irre, da die Vogelschutzgruppe Eutin-Bad Malente auf der Insel Sylt erlebt hat, dass diese lang gehegte Meinung durch ihre Beobachtung seit 2015 in den Bereich des Jägerlateins gehört. Dessen ungeachtet kennen wir für die Brandgans die Namen "Grabgans" oder - so ähnlich in Angeln - "Graff-goos", in Nordfriesland "Greaf-an" sowie auf den Inseln der Nordsee "Baragan", obwohl sie nicht selbst gegrabene Bruterdhöhlen nutzt, sondern diese von Kaninchen.

Wir wenden uns der Rauchschwalbe zu, deren braunrote Kehle offenbar gar nichts mit Rauch und Feuer zu tun hat, sondern mit der Erinnerung, dass dieser Vogel früher - und heute in bestimmten Gegenden, wo es noch diese Möglichkeit gibt - gerne in Schornsteinen gebrütet hat. Die Benennung nach dem Schornstein ist noch deutlich im französichen Namen "Hirondelle de cheminee" zu erkennen. Heute brütet eine Rauchschwalbe im Gegensatz zur Mehlschwalbe normalerweise besonders in den Ställen unserer Haustiere. Entsprechend einfach ist die niederländische Begrifflichkeit, die zwischen Bauernschwalbe ( "Boerenzwaluw" ) und der Hausschwalbe ( "Huiszwaluw" ) unterscheidet. Das für die Rauchschwalbe als typisch bezeichnete Brüten in Schornsteinen bezieht sich auf die Zeit, in denen es eine andere Bauweise von Schornsteinen gab, die der Schwalbe geeignete Nistmöglichkeiten gaben.

Die Rufe der Lachmöwe können aus vielen Lauten bestehen, aber sie können keinesfalls als Lachen in unserem Sinne gelten. Auch eine zweite Deutung des Namens über die Pfütze als Lache macht eigentlich keinen Sinn. Wikipedia beruft sich auf die Übersetzung des wissenschaftlichen Artnamens Larus ridibundus, wobei das lateinische Wort ridibundus mit lachend übersetzt wird. In Schleswig hieß die Lachmöwe "Bargmeev" - sie war die dominierende Möwenart auf der hügeligen Insel in der Schlei, auf der bis in die Neuzeit ihre Eier zu Nahrungszwecken gesammelt wurden. Auf den nordfriesischen Inseln und Halligen gab es die einfach klingenden Bezeichnungen wie "Meew, Mööv oder sogar Kööb".

Foto ( Autor ) : Lachmöwe im Brutkleid - unerwünscht auf dem Kopf der "Schauenden" an der Stadtbucht des Großen Eutiner Sees sitzend

Holger Jürgensen

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Vogelkunde - Vogelnamen - Alpenstrandläufer, Baßtölpel, Eisvogel und Co.

Vogelkunde - Vogelnamen - Alpenstrandläufer, Baßtölpel, Eisvogel und Co.

Manche Namen in der Tierwelt erscheinen uns von der Wortbedeutung her unsinnig und daher schwer verständlich. Oft sind es in der Vogelwelt Anpassungen an Rufe oder Gesänge, aber auch an Bezeichnungen von Nachbarländern, und sie haben dabei oft auch ihre spaßigen Seiten.

An der Westküste Schleswig-Holsteins ist der Alpenstrandläufer in wechselnder Zahl ein Sommergast und als Durchzügler in kaum übersehbarer Menge zu beobachten. Wie sein Name fälschlicherweise ausweist, kommt er aber überhaupt nicht in den Alpen vor. Der schwedische Arzt und smaländische Naturforscher Carl von Linne ( 1707 - 1778 ) schaffte in seiner "Systema Naturae" die Grundlage der heutigen biologischen Systematik und damit die seitdem geltenden wissenschaftlichen Tiernamen. Es finden sich insgesamt 252 Vogelarten in seiner Checkliste. Seine Beschreibung des Alpenstrandläufers bezog sich auf das auf seinen Reisen beobachtete Vorkommen in Lappland, nämlich den "lappländischen Alpen", die zu Teilen Brutheimat dieses Vogels ist. Als Strandläufer bezeichnet man Wat(t)vögel, die keine Schwimmhäute besitzen.

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Vogelkunde - Rote Listen und ihre Bedeutung für die Vogelwelt

Vogelkunde - Rote Listen und ihre Bedeutung für die Vogelwelt

Sie sind ein bewährtes Instrument, um die Situation und Gefährdung von Tier- und Planzenarten zu beschreiben. Die erste Rote Liste über gefährdete und seltene Vogelarten sowie deren Lebensräume erschien für Schleswig-Holstein bereits 1976. Seitdem haben sich die Roten Listen zu einer wesentlichen Bewertungsgrundlage für die Naturschutzarbeit im Lande entwickelt.

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Vogelkunde - Was zum Kuckuck heißt eigentlich "was zum Geier" ?

Vogelkunde - Was zum Kuckuck heißt eigentlich "was zum Geier" ?

Als der Schreiberling eine Tablette gegen seine Rückenbeschwerden einnahm, wandte er seinen Blick auf die Packung und den Beipackzettel - Diclofenac sei ein schmerzstillendes und entzündungshemmendes Arzneimittel.

Und dann erinnerte er sich an einen Pressebeitrag, der die "Geierkrise" in den neunziger Jahren in Asien beschrieb. Innerhalb von gut zehn Jahren starben in Indien über neunzig Prozent der dort zu Hunderttausenden beheimateten Bengal-, Langschnabel- und Dünnschnabelgeier. Es dauerte nicht lange, bis indische und auch englische Biologen die Ursache herausgefunden hatten : Die Vögel hatten sich mit Diclofenac vergiftet, einem dort ausgesprochen preiswürdigen Medikament, mit dem in Indien die heiligen Kühe gegen Gicht behandelt wurden. Die Rinder werden wegen einer - aus unserer Sicht irrationalen Ideologie - bekanntlich nicht geschlachtet, aber ihre Kadaver auf sogenannten Bestattungstürmen den Geiern zum Fraß "offeriert" - ähnlich dem ehemaligen Bestattungsritus der Parsen im Iran.

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