Durch die Übernahme der Betreuung der Möweninsel im Sibbersdorfer See durch die Vogelschutzgruppe Eutin - Bad Malente e.V. (VSG) im Jahre 1995 ging diese auch die Verpflichtung ein, jährlich über den Bruterfolg auf dem Vogeleiland zu berichten. Kontrollen und Zählungen erfolgten auch in diesem Jahr zunächst mit dem Spektiv vom Festland aus. Durch die Zunahme der Vegetation ist während der Sommermonate aber auch ein Betreten der Insel notwendig, wozu eine Ausnahmegenehmigung des Fachdienstes Naturschutz des Kreises Ostholstein vorliegt.

VSG-Mitglieder und weitere Naturfreunde sind sowohl im Herbst als auch im vergangenen Frühjahr mit engagiertem Einsatz dem bisherigen, vorrangigen Betreuungsproblem, der Ausbreitung der Brombeere, sehr erfolgreich zu Leibe gerückt. Die vorherrschende Vegetation setzt sich derzeit aus Weidenröschen und -wegen des sehr hohen Stickstoffeintrages durch den Vogelkot- aus Brennnesseln zusammen. Schermäuse machen ihre Tätigkeit auf der Insel durch sichtbare Wühlgänge deutlich.

Möwenküken schlüpftMöwenküken
Fotos (Döpner und Jürgensen): Neues Leben in Möwennest, Stockente fest brütend , Möwenjunges quält sich aus der Schale, der Eizahn hilft beim Schlüpfvorgang

Der Hauptbrutvogel der Insel ist die Lachmöwe (135 Paare), gefolgt von der Sturmmöwe (50 Paare). Ohne bisherigen Brutnachweis stellte die VSG zwei bis drei Schwarzkopfmöwenpaare fest, eine Vogelart aus dem Süden oder Südosten Europas, die sich immer häufiger in den Möwenkolonien Schleswig-Holsteins ansiedelt. Leider haben sich auch drei Silbermöwenpaare etabliert, die wegen ihres räuberischen Auftretens hier nicht gerne gesehen werden.

Erfreulich ist die erneute Ansiedlung von Flussseeschwalben zu nennen, die mit fünf bis zehn Paaren hier brüten werden. Auch der wehrhafte Höckerschwan hat wieder ein Gelege im Inseluferbereich angelegt – seit dem Jahre 2007 war er der Insel untreu geblieben. Der Bruterfolg von Grau- und Kanadagänsen ist in jedem Jahr als kritisch anzusehen, da es durch die dominierende Kanadagans während des sehr frühen Legebeginns häufig zu Auseinandersetzungen zwischen den Gänsearten kommt, so dass Ende Mai noch keine Nachwuchs führenden Gänse, aber viele Gelege als offensichtlich zerstört angetroffen wurden. Andererseits hielten sich mehrere Bastarde (Hybriden) aus einer Paarung zwischen Grau- und Kanadagans zwischen den 175 Nichtbrütern auf.

SturmmöwenkükenStockente fest brütend

Ein neuer und interessanter Farbklecks auf der Brutinsel ist seit einigen Jahren die Nilgans, die mit einem offensichtlichem Brutpaar und weiteren Einzeltieren auf dem nachbarlichen Grünland die Vogelvielfalt erhöht hat. Vereinzelt brüten Schnatter-, Stock-, Tafel- und Reiherenten in der üppigen Vegetation versteckt. Durch den in den letzten Maitagen sehr hohen Wasserstand des Sibbersdorfer Sees sind die Sand- und Kiesflächen des Inselufers überspült und damit mögliche Gelege von Limikolen (Watvögeln) zerstört worden.

Holger Jürgensen


 

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