Brutbericht der VSG 07 2017

Im Jahre 1994 übernahm die Vogelschutzgruppe Eutin-Bad Malente e.V. ( VSG ) im Auftrage der Stadt Eutin die Betreuung der "Möweninsel im Sibbersdorfer See", die nach einer Kreisverordnung vom 23. Januar 1991 als "Geschützter Landschaftsbestandteil" zu einem Schutzgegenstand erklärt wurde. Diese Unterschutzstellung soll der "Erhaltung und planvollen Entwicklung dieser Insel als bedeutender Brutplatz für Vögel" dienen. Im Schutzzweck ist ausdrücklich erwähnt, dass "der Brutbestand der Lachmöwe" zu vergrößern sei.

Wer sich von den Sibbersdorfer Bürgern an die Mengen früher brütenden Lachmöwen und die Eier sammelnden Berechtigten an die lukrative Menge erinnern kann, ist mit dem heutigen Blick auf das Eiland enttäuscht. Es war dem betreuenden Verein nicht möglich, gegen den Trend einer allgemein zu beobachtenden Abwanderung der Lachmöwe aus binnenländischen Brutkolonien an die Küsten Schleswig-Holsteins Einfluss zu nehmen. Aus der starken Lachmöwenkolonie wurde eine interessante, gemischte Wasservogelheimat. Der betreuende Verein hat entsprechend seiner eingegangenen Verpflichtungen jährlich öffentlich über seine Tätigkeit und den Bruterfolg zu berichten.

In jedem Frühjahr rücken Mitglieder der VSG aus, um die letztjährige Vegetation des Eilandes in einem organisierten Arbeitseinsatz zu mähen, damit sich nachfolgende Vogelarten mit notwendiger freien Sicht zu ihrer Vermehrung niederlassen können. Diesen Arbeitseinsatz unterstützt in jedem Jahr das "Technische Hilfswerk Eutin ( THW )" mit einer sicheren Überfahrt der Teilnehmer zur Insel und einzelne Mitglieder der Dorfschaft mit einem anschließenden Imbiss. Diese vertrauungsvolle, vereinsübergreifende Tätigkeit prägt den Erfolg der Betreuung und Entwicklung der Insel. Besondere Erschwernisse bereiten den aktiven Naturschützern tief wurzelnde Brombeeren und ebenfalls die Verhinderung einer erneuten Ausdehnung der Birken auf dem Eiland. "Wir gehen von einer Brutpopulation in den letzten Jahren von jährlich 50 bis 60 Paaren der Sturmmöwe aus", berichtet der VSG-Vorsitzende Holger Jürgensen unserer Zeitung. Vereinzelt findet sich neben einigen Paaren der Lachmöwe die ebenfalls dunkelköpfige Schwarzkopfmöwe ein, deren Heimat sich im östlichen Mittelmeer befindet.

Brutbericht der VSG 07 2017

Wegen der "Sommerblüte" des Seewassers sind die Jagdergebnisse der Flussseeschwalbe mit zwei bis fünf Paaren und damit die Zahl ihrer Jungenaufzucht jedes Jahr wieder kritisch zu beurteilen. Die Anzahl der sich zur Brutzeit im April und später am See aufhaltenden Grau- und Kanadagänsen täuscht eine hohe Vermehrungsrate vor, da sehr viele dieser Vögel weder die Geschlechtsreife erreicht haben oder keinen sicheren Brutplatz besetzen konnten. Vereinzeltes Auftauchen der Nil- und der Weißwangengans sowie des Gänsesägers macht das bunte Bild der Vogelgemeinschaft besonders interessant. Dem seltsamen Eierdiebstahl in den beiden Vorjahren konnte die VSG sehr erfolgreich mit einer Kamera mit einem Bewegungsmelder begegnen. Eine Reihe von Entenarten halten sich zur Brutzeit auf der Insel oder an ihrem Ufer auf, ohne den eigentlichen Bruterfolg wegen ihrer Heimlichkeit und folgenden Inselflucht mit den Jungen korrekt ermitteln zu können. Stock-, Schnatter-, Tafel- und Reiherente brüten auf der Möweninsel. Unter den Limikolen ( Watvögeln ) sind zwei Kiebitzpaare zu nennen, die sich zahlenmäßig gut vermehrt haben, sowie ein Paar des Austernfischers. Als Gäste und mit einem unsicheren Brutstatus der Insel sind zwei bis drei Paare des Flussregenpfeifer und eines Flussuferläufers zu nennen. Nach mehreren Jahren der Abstinenz hat sich 2017 wieder ein Paar des Höckerschwanes angesiedelt. Mit besonderer Spannung erwartet die Vogelschutzgruppe eine völlig neue Ansiedlung einer kleinen Uferschwalbenkolonie, ausgelöst durch die Bildung kleiner Steilufer durch Erosion. Auf der VSG-Webseite "www.vogelschutzeutin-badmalente.de" ist ein Videoclip mit einer Kameradrohne über den diesjährigen Arbeitseinsatz auf der Insel zu sehen.

Fotos ( Jürgensen ) : Neues Leben bei den Sturmmöwen Mutige Verteidigung des Kanadagans-Paares ihres Geleges