Nach dem gültigen Landesnaturschutzgesetz beinhaltet die Betreuung geschützter Landschaftsbestandteile, dass die Öffentlichkeit zu informieren und ein Bericht zu erstellen sind. Die Vogelschutzgruppe Eutin – Bad Malente e.V. ( VSG ) kommt durch nachstehenden Beitrag diesem Auftrag wie in jedem der bisherigen 17 Betreuungs-Jahre der Möweninsel im Sibbersdorfer See bei Eutin nach.

Auf Grund der frostigen Wetterlage war es in diesem Jahr wegen der Eislage erneut erst im März möglich, mit einem Boot des Eutiner THW die Vogelinsel mit der Mannschaft der VSG zu erreichen, um die Vorjahresvegetation zu beseitigen. Die Veränderung der Vegetation durch den Verbiss der Gänse und Schermäuse von einer Schilf-Weidenröschen-Brennessel-Vegetation hin zu einer zunehmenden Verbuschung durch Birkensamenanflug und Ausweitung von Brombeeren führte zu einem erschwerten Arbeitseinsatz, über den auch durch das NDR SH-Magazin berichtet wurde.

Bestandsaufnahme

Anfang Juni wurde die Bestandsaufnahme der Brutvögel der Insel abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt haben die Gänsearten mit ihrem Nachwuchs die Insel in Richtung der benachbarten Grünländereien am festen Seeufer bereits verlassen. Nur wenige Ausnahmen der Kanada- und Graugänse halten sich – noch nicht geschlechtsreif - als sogenannte Übersommerer auf dem Eiland oder auf dem nahen Wasser auf, wobei darunter fünf Bastarde zwischen beiden genannten Arten beobachtet wurden – sicherlich eine Geschwistergruppe aus dem vergangenen Jahr - , die aber als Hybriden unfruchtbar sind. Sehr früh und mit großem Erfolg hat sich das Nilganspaar mit 9 bis 10 Jungen vermehrt.

Im Mai / Juni dieses Jahres brüten 60 Paare Sturmmöwen und wieder 20 Paare Lachmöwen, die sich in den letzten Jahren rar gemacht hatten. Ihre Nichtannahme der Brutinsel hing offenbar mit der Furcht einflößenden Anwesenheit der rattengroßen Schermäuse zusammen, deren wirkungsvolle Bekämpfung in diesem Gebiet des Naturschutzes problematisch ist. Nicht glücklich sind die Betreuer der VSG über die erneute Ansiedlung eines Silbermöwenpaares, das wegen seiner Eigenschaft als Eier- und Jungvogelräuber auf der Insel einen gedeckten Tisch vorfindet.

Sensationelle Beobachtungen: Schwarzkopfmöwe

Die ornithologische Sensation in diesem Jahr ist die Brut von zwei Paaren der Lachmöwe ähnelnden Schwarzkopfmöwe. Ihre Brutheimat ist eigentlich das Schwarze Meer. Es ist zu vermuten, dass diese Möwenart durch andere auf dem Heimzuge in Richtung Norden „mitgerissen“ wurden. Andererseits gibt es in Schleswig-Holstein bereits einige Beispiele gemeinsamen Brütens in Lach- und Sturmmöwenkolonien, hin und wieder auch als Mischpaar.
Zu den möwenartigen Vögeln gehören die grazilen Flussseeschwalben, die für die VSG als die wichtigen Indikatoren der Wasserqualität des Sibbersdorfer Sees gelten. Flogen bei zu starker Eutrophierung des Seewassers die Seeschwalben in zurückliegenden Jahren zur Nahrungssuche bis nach dem Kellersee, hatten sie im vergangenen Jahr ihre Brut wegen Nahrungsmangel aus Sichtmangel in der „grünen Suppe“ sogar aufgegeben. Offenbar erscheint es in der zu beklagenden Bürokratie nicht möglich, hier Abhilfe zu schaffen. Das Ergebnis der von Mitgliedern der VSG gezogenen und zur Untersuchung gebrachten Wasserproben des Sees wird immer noch als zufriedenstellend dargestellt; die sensiblen Seeschwalben werden wohl nicht als verlässlichere Indikatoren anerkannt. Es ist aus beobachtungstechnischen Gründen nicht möglich, die Brutpaare der Flussseeschwalben mit der Zahl fünf oder zehn anzugeben.
Die Liste der Brutvögel auf der Möweninsel im Sibbersdorfer See setzt sich mit drei Limikolen, was wohl mit „Schlammläufer“ übersetzt werden kann, fort. Es werden zwei Kiebitzpaare, ein Austernfischerpaar und ein Paar des Flussregenpfeifers beobachtet.


Foto ( Jürgensen ): Seltene Schwarzkopfmöwe zu Gast in der Kolonie

Schwierig ist die Darstellung der zahlenmäßigen Brutpaare bei den Entenvögeln. Durch die verbliebene Verbuschung auf der Insel ist in diesem Jahr anzunehmen, dass Enten dann auch „mehr zu ihrem Recht kommen werden“. Eine gezielte Suche der sehr gut versteckten Entengelegen ist nicht störungsfrei und daher abzulehnen. In der Regel gibt die Zählung der auffälliger gefärbten Erpel einen Aufschluss über die Paarbildung, was aber längst nicht immer mit Bruterfolg gleichgesetzt werden darf. Die Beobachtungsnotizen dieses Jahres geben aber Auskunft über rund 20 Reiher -, 10 Tafel - und 5 Stockerpel.

Holger Jürgensen