Zu einem besonderen Magnet für naturkundlich und vor allen Dingen ornithologisch interessierte Menschen ist in diesem Jahr der Sibbersdorfer See mit seiner Möweninsel geworden. Nach zwei Kontrollgängen im April und Mai des Jahres auf der Insel sowie nach mehreren Spektivbeobachtungen vom Ufer aus hat die die Brutkolonie im 18. Jahr betreuende Vogelschutzgruppe Eutin – Bad Malente e.V. ( VSG ) einen genauen Überblick über die Zusammensetzung der anwesenden Vogelarten gewonnen.

Die VSG fühlt sich verpflichtet und freut sich, den interessierten Naturfreunden von einer erneut positven Entwicklung auf dem Eiland berichten zu können. Die stärkste Populationen nehmen Sturm- und Lachmöwen zu fast gleichen Teilen mit mindestens je 75 Paaren ein. Im wärmeren Bereich des Südufers der Insel brüten in diesem Jahr zwei Paare der Schwarzkopfmöwe, jene Vogelart, die am östlichen Mittelmeer ihre eigentliche Heimat, sich aber auch in Schleswig-Holstein in verschiedenen Kolonien angesiedelt hat. Ergänzt wird die Gruppe der Möwenartigen durch ungefähr zehn Paare
Flussseeschwalben.


Foto ( Jürgensen ) : Ein Lachmöwenportrait

Letzte Grau- und Kanadagänse ziehen noch immer Ende Mai mit ihren Jungen in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen über den See oder stehen äsend auf dem Grünland. Ein Paar Nilgänse sind noch zu beobachten, obwohl ihre ( ? ) sechs Nachkommen sehr früh die Insel nach ihrem Schlupf in einem Bodennistkasten verließen und möglicherweise bereits selbstständig geworden sind. Es könnte sich jedoch auch um ein zweites Paar dieser Vogelart handeln. Die anwesenden Entenarten brüten im Bereich der Brennessel, Schilf und Weidenröschen sehr versteckt; eine Nachsuche liegt eigentlich nicht im Sinne des Naturschutzes. Die zu beobachtenden Erpel lässt auf die Zahl der angelegten Bruten schließen, da sich Entenmännchen grundsätzlich nicht am Brutgeschäft und an der Jungenaufzucht beteiligen : Ein Paar Schnatterenten, zwei Stockentenpaare, ein Tafelentenpaar sowie zwölf Reiherentenpaare mögen einen geschätzten Brutumfang dieser Wasservogelgruppe abgeben.


Foto ( Jürgensen ) : Die brütende Schwarzkopfmöwe

Die besondere Brut- und Nahrungsqualität der Möweninsel im Sibbersdorfer See lässt sich auch durch die jährliche Ansiedlung von Watvögeln dokumentieren. Jeweils zwei Kiebitz- und Austernfischerpaare ziehen in diesem Jahre wieder ihre Jungen groß, desgleichen ein Paar des Flussregenpfeifers und des Flussuferläufers. Zu den Freuden der interessierten Beobachter am Sibbersdorfer See zählt auch die häufige Sichtung der jagenden Seeadler sowie sich in der Luft „kabbelnder“ Jungadler.

Dank der tatkräftigen Unterstützung durch das „Technische Hilfswerk Eutin“ sowie der engagierten VSG-Mitglieder konnte die Brutinsel als solche erhalten bleiben, da diese ansonsten in diesem Jahr zu einem Birkenwald „degeneriert“ wäre.

Holger Jürgensen