Es ist kein Wunder, dass Eisvögel dank ihres farblich attraktiven Gefieders von den Verfechtern des Natur- und Vogelschutzes gerne zur Werbung für ihr löbliches Anliegen herangezogen werden. Eisvögel sind darüberhinaus mit 86 Arten auf der Erde weit verbreitet. Aus dieser großen Familie der sogenannten Rackenvögel gibt es nur eine Art in Europa, nämlich unseren Eisvogel, wissenschaftlich " Alcedo atthis" benannt. Manche Ornithologen verwenden lieber die deutsche Übersetzung des englischen Namens "kingfisher" für die ganze Familie und nennen sie daher "Königsfischer".

Mit dem Eis im wörtlichen Sinne hat der Name des Eisvogels nichts zu tun

Man nimmt an, dass sein althochdeutscher Name ( isaro oder isarno ) durch eine über Jahrhunderte laufende Klanganpassung ( später is oder isan ) zu Eis wurde und man dann "vogel" anhängte. Der Gattungsname "Alcedo" entstammt dem Griechischen, während die Bezeichnung der Art "atthis" von der Tochter des Herrschers Kranaos, der sein Land Attika nach ihr benannte, abgeleitet werden kann. Ein Zusammenhang mit der Benennung unseres "fliegenden Diamanten" ist für uns nicht ersichtlich.

Die Königsfischer erschlossen sich im Verlaufe ihrer erdgeschichtlichen Entwicklung verschiedene Ernährungsweisen und dadurch auch unterschiedliche Lebensräume. Während sich die "Wasser-Eisvögel" ihre weitgehend aus Fischen bestehende Nahrung im Stoßtauchen aus dem Wasser holen, machen die "Baum-Eisvögel" - besser "Lieste" genannt - Jagd auf größere Insekten und sogar auf Kleinsäuger, Eidechsen, Frösche und Schlangen.

Opfer der Mode

Im 19. Jahrhundert war ein Eisvogelbalg ein Modeartikel und diente besonders der Dekoration von Damenhüten. Auch bei der Herstellung von künstlichen Fliegen für das Forellen- und Äschenangeln waren die bunten Federn sehr beliebt. Große Zahlen von Eisvögeln wurden ihres Gefieders wegen getötet. So wurden auf einer einzigen Lodoner Schmuckfederauktion um die Jahrhundertwende neben tausenden von Silberreihern, Paradiesvögeln, Kolibris, Papageien und Seeschwalben auch 17.020 Eisvögel verkauft. Zum Glück änderte sich die Mode, bevor ein bleibender Schaden angerichtet wurde. Auch aus diesem Grunde gründete Frau Lina Hähnle 1899 in Stuttgart den Deutschen Bund für Vogelschutz.

Nicht nur wegen seiner schönen Federn, sondern auch wegen seiner Nahrung geriet der Eisvogel ins Schussfeld - im wahrsten Sinne des Wortes. Vor allem die Betreiber von Fischzuchtanlagen verfolgten ihn als "Fischereischädling", wie übrigens damals auch Fischadler, Otter, Graureiher und Wasseramsel. Allein in fünf Teichanlagen in Niedersachsen starben nachweislich zwischen 1928 und 1934 etwa 680 Eisvögel.

Historische Aufzeichnungen

Anlässlich der Recherche zu diesem Beitrag stieß der Schreiberling auf eine Mitteilung, dass 1881 ein von Kassler Fischzüchtern bestellter Gutachter ausrechnete, dass 50 Eisvögel die Fischer jährlich einer Ernte von 13.500 Kilogramm Fischfleisch berauben würden. Sein begleitender Kommentar : "Welche Zumutung also für den Fischzüchter, den Eisvogel nur deshalb zu schonen, weil er einen so schönen bunten Rock trägt, und weil er zur Unterhaltung müßiger Naturfreunde und eifriger Vogelliebhaber beiträgt". Zum Glück hat sich in der Zwischenzeit in der Schädling-Nützling-Diskussion einiges verändert.

Eisvögel oder Königsfischer sind ein Beispiel für den möglichen, durch Evolution entstandenen Artenreichtum innerhalb einer Vogelfamilie. Durch Anpassung an Lebensräume und Veränderung der Gene auf Grund sich nachhaltig verändernden Lebensumstände konnten immer neue Arten und Unterarten entstehen. Der kleinste Eisvogel ist der afrikanische "Braunkopf-Zwergfischer", der gerade einmal zehn Zentimeter misst. Der uns als "Lachender Hans" aus Volieren bekannte Vertreter der australischen Königsfischer, der eigentlich bei den Aborigines "Kookaburra" genannt wird, bringt es auf stattliche fünfundvierzig Zentimeter. Mehr als sechzig der Eisvogel-Arten sind in Asien und Australien zu Hause, fünfzehn in Afrika, und sechs sind in Amerika beheimatet. Der überwiegende Teil lebt in den Tropen, die auch für viele andere Vogelfamilien die Heimat der meisten Arten sind. Sie haben im Verlaufe der Evolution eine große Zahl von Unterarten ausgebildet, und sie tun dies bis zum heutigen Tage quasi vor unseren Augen weiter. Auch dafür geben die Eisvögel uns ein gutes Beispoiel ab : Allein vom "Grünkopfliest", der zwischen dem Roten Meer und Nordaustralien beheimatet ist, sind bisher siebenundvierzig Unterarten festgestellt worden !

Braunlieste in Israel beobachtet

Die Vogelschutzgruppe Eutin - Bad Malente e.V. ( VSG ) hat auf ihren Auslandsreisen auch Israel besucht und dort den weit verbreiteten "Braunliest" beobachtet. Als Ansitzjäger macht er an Land wie am Wasser Jagd auf vielfältige Beute. Er siedelt sich auch weit entfernt vom Wasser an und kommt bisweilen inmitten von Städten vor. Manchem Gartenbesitzer in Israel ist es gelungen, den kanpp vierzig Zentimeter großen Vogel, der dank seines braunen und blauen Gefieders, der weißen Brust und dem markanten roten Schnabel eine Augenweide darstellt, mit einem kleinen Nahrungsteich und einem Ansitzpfahl zu einem regelmäßigen Besuch zu bewegen.



Foto ( Jürgensen ) :   Braunliest in Israel

Auch unserem Eisvogel würde ein solches Entgegenkommen sehr gefallen. Die Vogelschutzgruppe Eutin - Bad Malente e.V. ( VSG ) mit ihrer Projektgruppe Eisvogel 2004 hat bereits vielen hiesigen Teichbesitzern durch ihre fachliche Beratung und durch ihre aktive Hilfe bei der Beschaffung von zusätzlichen Kleinfischen wie Moderlieschen und Stichlingen zu einer ähnlichen Freude verholfen, ganz zu schweigen von der von ihr entwickelten Winterfütterungsanlage für den "fliegenden Diamanten". Die VSG hofft sehr, dass die Individuenverluste der letzten beiden Winter schnell durch die bekannte Vermehrungsfreudigkeit unserer Eisvögel ausgeglichen werden können.

Holger Jürgensen